Weniger Informationslust und niedriges Vertrauen: Junge Erwachsene und Politik im Zeitalter von Fake-News und verändernder Medienlandschaft

easyvote 12.04.2018

Der neue easyvote-Politikmonitor des Dachverbands Schweizer Jugendparlamente DSJ zeigt klar: Die sich schnell wandelnde Medienlandschaft und das Zeitalter von Fake-News hinterlassen ihre Spuren bei den Schweizer Jugendlichen. Geht es um politische Themen, informieren sich die Jugendlichen nicht nur weniger, sondern haben auch ein Vertrauensproblem. Insbesondere die Medien haben eine schwierige Stellung: Geht es um politische Themen, vertrauen Jugendliche am wenigsten JournalistInnen.

Vertrauensproblem in Zeiten von Fake-News

Der Vergleich mit dem Sorgenbarometer1 zeigt, dass Jugendliche politischen Akteuren und Institutionen deutlich weniger vertrauen, als dies die übrige Bevölkerung macht. Am kritischsten von allen Akteuren gehen die befragten Jugendlichen mit JournalistInnen ins Gericht: Geht es um politische Informationen, geben 60 Prozent an, dass sie eher oder sogar sehr wenig Vertrauen in JournalistInnen haben.

Fake-News ist ein Begriff für die Schweizer Jugendlichen geworden: Zwangsläufig zeigt sich dies nun auch bei ihrem Vertrauen. Die Funktion von JournalistInnen als PrüferInnen und AufbereiterInnen von politischen Informationen gerät immer mehr unter Druck: zum einen durch den stattfindenden Medienwandel, zum anderen aber auch durch die Bereitschaft zur objektiven und wahrheitsgetreuen Berichterstattung.

Abnehmende Informationslust fordert neue Kanäle

Der easyvote-Politikmonitor zeigt weiter, dass sich Jugendliche immer seltener über politische Ereignisse und Themen informieren (48% einmal oder weniger als einmal pro Woche). Dieser Trend betrifft verschiedenste Informationskanäle, ganz besonders die klassischen Medien wie Zeitungen, Fernsehen (Rückggang um 5% gegenüber 2016) oder auch Radio. Es findet dabei aber nur bedingt eine Substitution durch neue Medien statt. Auch hier spielt das mangelnde Vertrauen eine wichtige Rolle: vielen Akteuren und Kanälen bringen Jugendlichen immer weniger Vertrauen entgegen, wenn es um politische Information geht. Diese Kanäle werden folglich auch weniger konsultiert.

easyvote wird wichtiger und nützlicher

Das Resultat des mangelnden Vertrauens im easyvote-Politikmonitor zeigt: Neutrale und explizit faktenorientierte Plattformen werden als vertrauenswürdige Kanäle immer wichtiger. Die einzigen Informationskanäle, die im Vergleich zum Vorjahr an Wichtigkeit dazugewinnen, sind jene aus dem Portfolio von easyvote: Die easyvote-Clips, -Website und -Broschüre werden wichtiger. Auch punkto Nützlichkeit für die Meinungsbildung gibt es klare Resultate: Als Informationsquelle bilden die easyvote-Clips die Spitze, an zweiter Stelle folgt – zusammen mit den Eltern – die easyvote- Broschüre, diese werden von über 90% als sehr/eher hilfreich eingestuft.

Mit Abstimmungen die Interessen der Jungen vertreten

Für das Abstimmen spricht in den Augen der Jugendlichen wie im Vorjahr primär die Motivation, die Interessen der Jungen an einer Abstimmung vertreten zu wollen. Auch motivierend wirkt die Möglichkeit, die Zukunft mitbestimmen zu können. Gegen das Abstimmen spricht für eine Mehrheit die Faktoren, dass ihnen die Sprache zu kompliziert sei, Abstimmungen Probleme nicht lösen würden oder die Jugendlichen keine Zeit dafür hätten.

Keine Politikverdrossenheit, aber Partizipation in digitale Richtung

Obschon bei politischen Themen ein schwindendes Interesse festgestellt wird und sich Jugendliche weniger informieren, kann man nicht automatisch von einer zurückgehenden Bereitschaft zur politischen Partizipation sprechen. Dies auch, weil bei den fünf Partizipationstypen ein Wandel feststellbar ist. Die Jugendlichen wollen sich vermehrt digital einbringen. Zwei Drittel sind weiter der Meinung, dass Digitalisierung grosse Chancen für die Beteiligung biete. Dieser digitale Aktivismus bringt alte und neue Herausforderungen. Informationen zu politischen Themen müssen einfach verständlich und neutral bleiben, zusätzlich muss aber auch eine Brücke geschlagen werden: Die zuweilen träge Welt der politischen Institutionen muss mit der schnelllebigen, digitalen öffentlichen Agenda verbunden werden.

Hilft die Digitalisierung bei der Mobilisierung?

Digitalisierung und Medienwandel gehen Hand in Hand. Mehr Informationen sind schneller und einfacher verfügbar: Beispiele aus dem In- und Ausland zeigen, dass soziale Medien beträchtlich zur Mobilisierung von insbesondere Jungen beitragen können. Diese Veränderung zeigt sich auch in der Schweiz, wo sich die Jugendlichen vermehrt als digitale Aktivisten einschätzen (Zuwachs um 10% gegenüber 2016). Es bleibt die Frage offen, ob Jugendliche aufgrund der Vorzüge der Digitalisierung nachhaltig verstärkt politisch partizipieren – oder ob es bei punktuellen Mobilisierungsschüben bleibt.

Aufruf zum Handeln

Ein politisches System ist nur so lange stark, wie die eingebundenen BürgerInnen an dessen Legitimität glauben. Das zunehmenden Desinteresse an Politik, die sinkende Informiertheit und das teilweise tiefe Vertrauen der Jugendlichen in politische Institutionen und Akteure sind vor diesem Hintergrund als bedenklich zu werten. Umso zentraler ist eine umfassende politische Bildung, deren Wichtigkeit und Wirksamkeit die befragten Jungen selbst bestätigen (65% sagen sehr oder eher grosse Wichtigkeit). Im Vergleich zum letzten Jahr werden allerdings weniger politische Bildung in den Schulen wahrgenommen (Abnahme um bis zu 7% gegenüber 2016). Die Schulen sind dabei als erste, aber nicht als einzige in der Pflicht, hier eine klare Gegenbewegung zu lancieren. Mit easyvote-school existiert bereits ein solches Projekt: Einfach verständliche, neutrale und kostenlose Unterrichtsmaterialien ermöglichen es LehrerInnen auf simple Weise, mehr politische Bildung im Unterricht anzubieten.


Kurzfassung easyvote-Politikmonitor

Vollständiger easyvote-Politikmonitor


1Vgl. Credit Suisse Sorgenbarometer 2017, gfs.bern. Online im Internet: http://www.gfsbern.ch/de-ch/Detail/credit- suisse-sorgenbarometer-2017

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