Alles andere als unpolitisch und desinteressiert!

Medienmitteilung 17.06.2019

Über 340 Jugendliche haben im Frühjahr 2019 ihre Ideen für eine bessere Zukunft der Schweiz im Rahmen der Kampagne „Verändere die Schweiz!“ auf www.engage.ch eingereicht. „Werden wir in 50 Jahren noch eine Altersrente vom BVG erhalten?“ – Das fragt sich die 20-jährige Zürcherin Jaqueline Urena. Sie und 14 weitere Jugendliche wurden nun von den 15 jüngsten National- und StänderätInnen ausgewählt zur Umsetzung ihrer Ideen auf nationaler Ebene. Heute wurden diese der Öffentlichkeit im Bundeshaus vorgestellt.

Ihre Zukunft scheint den Jungen grosse Sorgen zu bereiten. Gleich drei der ausgewählten Anliegen befassen sich mit der Altersvorsorge. Jaqueline glaubt, dass eine langfristige Lösung für ihre Altersvorsorge gefunden werden muss. „Mein Lösungsvorschlag wäre, dass wir bereits ab 21 Jahren, anstatt 25 Jahren (Voraussetzung Abschluss der Erstausbildung) beginnen für uns selbst zu sparen und zwar in Form von Lohnabzügen.“ Der Ständerat Damian Müller (FDP) nimmt sich dem Anliegen der 20-jährigen an und wird sie bei der Umsetzung unterstützen.

Nicht nur die junge Zürcherin hat sich Gedanken über die Finanzierung ihrer Rente gemacht, auch der 22-jährige Fabian Kuhn postete seine Idee auf der Onlineplattform www.engage.ch. Er ist der Überzeugung, das Rentenalter müsse erhöht werden. Der im Frühling frisch vereidigte Nationalrat Mike Egger (SVP) wird sich nun um das Anliegen von Fabian kümmern. Egger hat sich direkt nach seiner Wahl im Frühling dazu entschieden, das Projekt engage.ch zu unterstützen und zeigt sich am heutigen Event im Bundeshaus motiviert: „engage.ch bietet uns Politiker die Möglichkeit mit Jugendlichen in Kontakt zu treten und ihre Sorgen und Ideen aufzunehmen und ins Parlament zu bringen. Das bringt Kreativität und Dynamik in den politischen Betrieb und das können wir hier in Bern definitiv brauchen.“

Einige der Lösungen waren durchaus etwas kreativ, der 18-jährige Nevio Paganini aus Chur schlägt vor, das AHV-Loch durch eine Cannabissteuer zu „stopfen“, dazu müsse man lediglich den Konsum und Verkauf von Cannabis legalisieren. Der Nationalrat Fabian Molina (SP) will sich für die Idee des jungen Bündners einsetzten und bringt sein Anliegen aufs nationale politische Parkett.

Zukunft sichern

Die Jugendlichen sorgen sich nicht nur um die Finanzierung ihrer Zukunft, sondern auch darum, diese Zukunft überhaupt zu erleben. Durch verschiedene Umweltanliegen soll das Klima geschont und das Leben in der Schweiz nachhaltiger gestaltet werden. Zum einen soll der „Nationale Klimanotstand“ ausgerufen werden. Die 17-jährige Olivia Koch erklärt: „Mit diesem Weckruf fordern wir den Staat auf das Klimaproblem mit hoher Priorität zu behandeln, denn wir haben nicht ewig Zeit. Wir müssen jetzt handeln. Der Klimanotstand sollte ein politisches Statement sein und nicht im juristischen Sinne verstanden werden.“ Die Nationalrätin der Grünen, Irène Kälin, nimmt sich der Forderung an. Folgende drei weitere Umweltanliegen wurden heute im Bundeshaus besprochen:

  • „Besteuerung von Kerosin“ eingereicht von Flurina Müller und ausgewählt von Nationalrätin Aline Trede (Grüne)
  • „Weg mit den Plastikverpackungen“ eingereicht von Alisha Zaugg und ausgewählt von FDP-Nationalrat Philippe Nantermod
  • „Anpassung des Gemüsestandards – gegen Foodloss“ eingereicht von Carla Streit und ausgewählt von SVP-Nationalrat Christian Imark.

Onlineplattform und das persönliche Gespräch

Im Rahmen der Kampagne „Verändere die Schweiz!“ wurden zwischen dem 11. Februar bis zum 25. März 342 Anliegen und Ideen von Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren aus der ganzen Schweiz auf der Onlineplattform www.engage.ch eingereicht. Die 15 jüngsten National- und StänderätInnen haben nun je eines der Anliegen ausgewählt und werden es durch parlamentarische Vorstösse, Diskussionen in den Kommissionen oder auf anderen Wegen in die nationale Politik einbringen. Neben der Onlineplattform selber, ist bei der nationalen Kampagne „Verändere die Schweiz!“ auch der persönliche Austausch zwischen den Jugendlichen und den PolitikerInnen wichtig. Dieser Austausch erfolgte heute am 17. Juni 2019 im Bundehaus. „Verändere die Schweiz!“ ist nun schon zum dritten Mal durchgeführt worden. Der DSJ bietet mit diesem Projekt eine Form der politischen Partizipation an, die Jugendliche in ihrem Alltag abholt, und ihnen mit ihren eigenen Ideen den Zugang zur Politik erleichtert.

Weitere Anliegen die heute besprochen wurden

  • „Konsequente Asylpolitik“, eingereicht von Daniel Hess aus Heimberg (BE) und ausgewählt von SVP-Nationalrat Lukas Reimann.
  • „Gleiche finanzielle Mittel im Wahlkampf“, eingereicht von Randa Aduse aus Zürich und ausgewählt von der SP-Nationalrätin Mattea Meyer.
  • „Hygieneartikel“, eingereicht von Anna Stoll aus Dübendorf (ZH) und ausgewählt von SP-Nationalrätin Samira Marti.
  • „Steuersenkung ab 65 Jahren“, eingereicht von Enrique Castelar aus Weinfelden (TG) und ausgewählt von SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr.
  • „Vaterschaftsurlaub“, eingereicht von Adrijana Kaletic aus Baden (AG) und ausgewählt von FDP-Ständerat Damian Müller.
  • „Den Armen helfen“, eingereicht von Chloé Challandes aus La-Chaux-de-Fonds und ausgewählt von SP-Nationalrat der Cédric Wermuth.
  • „Zugänglichkeit für Menschen mit eingeschränkter Mobilität“, eingereicht von Léa Vacca und ausgewählt von SP-Nationalrat Mathias Reynard
  • „Zugang zu Schweizer Universitäten“, eingereicht von Peter Boder und ausgewählt von SP-Nationalrätin Nadine Masshardt

Warum „Verändere die Schweiz!“?

Aus dem easyvote-Politikmonitor 2017 geht hervor, dass sich etwa die Hälfte der befragten Jugendlichen für politische Themen auf nationaler Ebene interessieren. Bei Themen der internationalen Politik liegt das Interesse gar noch leicht höher. 44 % der befragten SchülerInnen wünschen sich zudem auf nationaler Ebene mehr Mitwirkungsmöglichkeiten. Das Potenzial für mehr politisches Engagement ist also durchaus vorhanden, es braucht jedoch neue Formen der politischen Partizipation für Jugendliche und junge Erwachsene, um dieses auch zu nutzen. Mit unterschiedlichen Möglichkeiten möchte der Dachverband Schweizer Jugendparlamente DSJ die Jugendlichen in die politischen Partizipationsprozesse einbinden und sie dort abholen, wo sie sich im Alltag bewegen.


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