Landflucht

„Tschüss ländliche Gemeinde!“, denken sich viele junge Erwachsene in der Schweiz und kehren ihrer Heimatgemeinde den Rücken zu. Diese Problematik ist unter dem Begriff Landflucht bekannt. Viele Gemeinden im peripheren ländlichen Raum verlieren seit Jahren kontinuierlich an EinwohnerInnen. Dabei ist es insbesondere schwierig, junge Erwachsene in kleinen, abgelegenen Dörfern zu halten. Diese Abwanderung stellt die betroffenen Gemeinden vor verschiedene Herausforderungen. Mit dem diesjährigen Themenschwerpunkt des Bereichs Grundlagen Politische Partizipation GPP des DSJ soll eine breite Öffentlichkeit auf die Landflucht junger Menschen in der Schweiz und die damit verbundenen Herausforderungen für das politische System aufmerksam gemacht werden. Dafür sollen sowohl die Karrierewege junger, politisch aktiver Menschen, die landflüchtig und entsprechend mobil sind, als auch solcher, die ihre Heimatgemeinde nicht verlassen haben, erfasst und zu einer Sammlung von Portraits aufbereitet werden. Die Portraitsammlung wird ergänzt durch Einschübe aus der Forschung zur Thematik Landflucht und wird als Fotoband erscheinen.

Hintergrund

Eine Analyse von SRF Data zeigt, dass rund 200 Gemeinden, vor allem im peripheren ländlichen Raum, von einem absoluten Bevölkerungsschwund betroffen sind. Hinzu kommt, dass ländliche Gemeinden generell, also nicht nur im peripheren ländlichen Raum, ihre jungen Hochgebildeten an die grösseren Städte verlieren. Vor allem in den Medien ist immer wieder von einem Teufelskreis die Rede: Aufgrund fehlender Ausbildungsmöglichkeiten, Arbeitsplätze, Infrastruktur oder fehlendem Kulturangebot zieht es junge Menschen vermehrt in die Städte. Dies macht es immer schwieriger, das soziale und politische Leben in einem Dorf sowie dessen Infrastruktur aufrechtzuerhalten, was wiederum die Abwanderung verstärkt. Die daraus resultierenden Herausforderungen sind zahlreich und betreffen auch das Milizsystem. Der DSJ widmet das Landflucht-Projekt in Anlehnung an den letztjährigen Themenschwerpunkt zum Schweizer Milizsystem speziell dem freiwilligen Engagement im politischen Bereich.

Ziele

  • Mit dem vorliegenden Projekt sollen Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Medien und die Zivilgesellschaft auf die Problematik der Landflucht in der Schweiz aufmerksam gemacht werden.
  • Der Fokus soll dabei auf jungen Erwachsenen und den Auswirkungen ihrer Mobilität auf das Milizsystem in Gemeinden liegen.

Das Projekt wird unterstützt von der Dienststelle für Hochschulwesen des Kantons Wallis, der Dienststelle für Industrie, Handel und Arbeit des Kantons Wallis, dem Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons St. Gallen, der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Uri, dem Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Thurgau, der Graubündner Kantonalbank und der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz.

Wir sind noch auf der Suche nach weiteren Förderern. Melden Sie sich hierfür bei Nora Räss.

Aktuell

Im Herbst 2020 erscheint ein Fotoband mit einer Portraitsammlung und Textpassagen aus der Forschung. Dann sind auch die Soirée Politique und eine Tagung zum Thema Landflucht geplant. An der Soirée Politique teilen JungpolitikerInnen und JugendparlamentarierInnen zum Tema ihre Einschätzungen miteinander und identifizieren Handlungsfelder. Die Ergebnisse aus den Landflucht-Biografien sowie die an der Soirée Politique erarbeiteten Handlungsfelder werden anschliessend an der Tagung mit einem grösseren Publikum diskutiert.

Kontaktperson

Nora Räss

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